Donnerstag, 3. Oktober 2019

Salz - völlig unterschätzt

Salz, genauer Kochsalz oder noch genauer Natriumchlorid, kurz NaCl, ist ein altbekanntes aber sehr stark unterschätztes Heil- und Hilfsmittel in der Aquaristik.

Um das zu verstehen, welche Möglichkeiten eine Salzbehandlung bietet, ist es wichtig, sich einmal einen Fisch etwas genauer anzugucken. Im typischen Süßwasser haben wir gesamt Salzkonzentrationen von ca. 0,01 bis 0,05 %, das entspricht einem Leitwert von ca. 150 bis 750 µS. Im inneren eines typischen Süßwasserfisches (übrigens ebenso im inneren eines Meerwasserfisches) liegt der Salzgehalt bei ca. 0,9 %, was in etwa 13.500 µS entspricht (mit typisch meine ich echte Knochenfische, Teleostei). Nehmen wir den Mittelwert, so befindet sich im Fisch - inneren rund 30mal mehr Salz, als in dem umgebenem Wasser. Man sagt, der Süßwasserfisch ist hyperosmotisch zum umgebendem Medium.

Es ist für den Süßwasser Fisch eine große Anstrengung seine physiologische Salzkonzentration aufrecht zu halten. Der Osmotische Druck ist eine gewaltige Kraft, gegen die zu arbeiten viel Energie erfordert Mehrere spezielle Transportmechanismen (z.B. die sog. Chloridzellen in den Kiemen) schleusen gezielt Salze in den Körper. Gleichzeitig ist der Fisch relativ wasserdicht, so dass kaum Wasser von außen eindringt und die Körperflüssigkeit verdünnt. Süßwasser - Fische schlucken wenig Wasser und scheiden einen verdünnten Harn aus. Hat ein Fisch Verletzungen (egal ob durch Parasiten oder mechanisch), strömt hierdurch ständig Wasser in den Organismus und belastet zusätzlich den Stoffwechsel. Der Vergleich mit einem Leck geschlagenem Schiff ist hier gar nicht so abwegig.

Von Bedeutung ist des weiteren, dass natürlich die Körperflüssigkeit nicht nur aus Natrium und Chlorid Ionen besteht. Das ist zwar der größte Anteil (rund 3/4) aber eben nicht alles. Darüber hinaus sind Kalium, Kalzium und Magnesium in nennenswerten Mengen an Kationen enthalten und Hydrogencarbonat und Sulfat an Anionen.

Die meisten Parasiten sind isoosmotisch, d.h. die Salzkonzentration bzw. der osmotische Druck (nicht zwangsläufig die Salzzusammensetzung) ist identisch mit dem umgebenden Medium (Wasser, Schleimhaut, Porenwasser im Bodengrund, Darm usw.). Plötzliche Veränderungen der Salzkonzentration  im umgebendem Wasser hat für diese Organismen u.U. weitreichende Folgen bis hin zu deren Tod, da sie oft nicht in der Lage sind, ihren Körper vollständig dagegen abzuschirmen. Gibt man in Süßwasser Salz bis zur physiologischen Konzentration (0,9%) wird aus den isoosmotischen Tieren so lange Wasser entzogen, bis ein Konzentrationsausgleich entstanden ist. Die Zelle schrumpft, der Parasit wird geschwächt und u.U. stirbt er sogar.

Ich empfehle hier keinesfalls pauschal und unkritisch Salz in ein Aquarium zu kippen. Auch wenn Salz ein allgemein gebräuchliches Massengut ist, so ist doch eine Salzbehandlung für die Fische vergleichbar mit der Gabe von Medikamenten. Es sollte also immer  eine entsprechende Indikation vorliegen.



Nun lässt sich mit diesen Erkenntnissen einiges feststellen;

  • die absolute, theoretisch noch verträgliche Maximalkonzentration zur Salzbehandlung liegt bei 0,9%
  • Salz schädigt ab einer gewissen Konzentration Mikroorganismen, wie die meisten Parasiten.
  • man kann die Verträglichkeit von Salz erhöhen, wenn man auch entsprechende Mengen der anderen wichtigen Ionen (K, Mg, Ca, HCO3 und SO4) entsprechend berücksichtigt
  • Durch die Reduzierung des Energieaufwandes für die Osmoregulation entlastet Salz den Stoffwechsel der Fische entscheidend.
  • Dadurch werden Stoffwechsel - Ressourcen zur Krankheitsabwehr und zur Heilung frei.

Probleme bei einer Salzbehandlung:

Unverträglichkeiten können auftreten. Manche Fische vertragen schnelle osmotische Veränderungen nicht gut.
Das häufigste Problem stellen allerdings Boden - bewohnende Tiere, wie Welse und Schmerlen da. Und das hat einen ebenso banalen wie gefährlichen Grund:
Sowohl das Wasser mit dem aufgelöstem Salz, aber vor allem nicht vollständig aufgelöste Salzkristalle sind wesentlich schwerer als (normales) Süßwasser. 

So können bei unvollständiger Auflösung und schlechter Durchmischung im Aquarium sehr leicht gefährlich hohe Salzkonzentrationen im Boden und in Bodennähe entstehen.

Die Grafik zeigt den Leitwert im Wasser (graue Punkte) und im Boden (orangene Punkte) bei einem entsprechenden Versuch in einem praxisnahem Aquarium mit 8cm Bodengrund und einer Umwälzung von 4 mal Beckeninhalt pro Stunde. 

Rein rechnerisch sollte ein Leitwert von 7,5mS (=7.500µS) erreicht werden (blauer Bereich). Nach 24 Stunden hatte sich das Salz im Boden vollständig aufgelöst und dort einen Leitwert von über 70mS (=70.000µS) verursacht. Das ist ein Wert, den kein Fisch überlebt. Selbst nach 10 Tagen (237 Stunden) hatte sich das Salzwasser im Aquariengrund noch nicht vollständig mit dem freien Wasser vermischt und es war noch ein deutlicher (wenn auch nicht mehr gefährlicher) Unterschied zwischen dem Leitwert im Bodengrund und dem im freien Wasser messbar.
Rund 7 Tage lang wäre der Bodengrund für Fische eine tödliche Falle gewesen.










Nun stellt sich die Frage, warum dann Salz - bei fachgerechter Anwendung - nicht das Allheilmittel schlechthin ist. Nun, das liegt daran, dass manche Parasiten durchaus in der Lage sind unterschiedliche Salzkonzentrationen zu verkraften. Außerdem sind Parasiten, die bereits in der Schleimhaut der Fische leben, durch diese vor vielen Umwelteinflüssen geschützt.

Man kann aber ohne Übertreibung festhalten, dass Salz, insbesondere Mischungen, die entsprechend der Physiologie der Fische angepasste Salzzusammensetzungen aufweisen (oder in denen zumindest ein halbwegs natürliches Verhältnis der verschiedenen Hauptbestandteile vorliegt), bis zu einer Konzentration von 0,5% (ca 6.000 µS) bei einer Vielzahl von Krankheiten äußerst hilfreich ist.

Eine solche Salzmischung ist Aqua-Liquids Therapiesalz.
Es unterstützt die Selbstheilungskräfte, hemmt die Ausbreitung von Parasiten. Es enthält ausschließlich Salze und Mineralien und reduziert die giftige Wirkung von Nitrit im Süßwasseraquarium.

 

Dosierung:

Zur Eingewöhnung neuer Tiere und bei Nitritvergiftung:

50g pro 100l Aquarienwasser

um die Selbstheilungskräfte zu unterstützen:

100g bis 200g pro 100l Aquarienwasser

unterstützend bei schwerwiegenden Erkrankungen:

Die gewünschte Menge Therapiesalz sehr sorgfältig vor Zugabe ins Aquarium mit Aquarienwasser in einem Gefäß auflösen!

Die entstehende Trübung verschwindet innerhalb eines Tages. Nur bei Wasserwechsel anteilig auf die gewechselte Wassermenge nachdosieren. Allgemein wird Therapiesalz bis zu einer Dosierung von 200g/100l von  Pflanzen und Wirbellosen sehr gut vertragen.

 















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