Donnerstag, 26. Dezember 2019

Planarien


In der Aquaristik sprechen wir von Planarien, korrekt ist eigentlich die Bezeichnung freilebende Strudelwürmer (Turbellaria) (mit über 3000 Arten). Sie gehören zu dem Stamm der Plattwürmer (Plathelminthes) mit insgesamt rund 13.000 Arten. 
Die knapp 10.000 nicht freilebenden Arten aus dem Stamm der Plattwürmer sind (noch) weit weniger nette Gesellen. Hierbei handelt es sich nämlich um Parasiten wie Hautwürmer, Kiemenwürmer, Bandwürmer und Trematoden. Das ist auch mit freilebend gemeint; nicht wie einige Autoren im Internet schreiben, dass sich die Tiere frei im Wasser aufhalten - freilebend ist hier das Gegenteil von parasitär lebend. 
Aber auch unter den (frei lebenden) Turbellarien oder Strudelwürmer (die wir als Planarien bezeichnen) gibt es Kommensalen und Parasiten.
Turbellarien sind für die Forschung sehr interessant, denn sie bestehen komplett aus Stammzellen. Zerschneidet man sie, kann aus jedem Teilstück wieder ein komplettes Individuum entstehen.

Der Einfachheit halber werde ich, auch wenn es  nicht ganz korrekt ist, weiterhin "Planarien" schreiben.

Bei großen Exemplaren von gut 10mm kann man manchmal sehr schön die kleinen, scheinbar schielenden, Augen auf der Oberseite erkennen. Der Kopf ist meist von charakteristisch dreieckiger Gestalt.


Planarien gleiten erstaunlich schnell und mit einer gewissen Eleganz dahin. Die im Aquarium vertretenen Exemplare sind meist blass - Hautfarben. Die Größe der Individuen im Aquarium reicht von unter 1mm bis ca. 15mm.

Planarien sind lästige Viecher in Aquarien mit Garnelen und sehr kleinen (Nano) Fischen sind sie nicht nur unansehnlich, denn bei einer Massenvermehrung können Planarien Garnelen, Schnecken, Laich und Fische schädigen.

Planarien sind Fleisch- bzw. Aasfresser. Bei einem moderatem Befall begnügen sie sich mit Futterresten. Fischlaich und alles Gestorbene steht ebenso auf ihrem Speiseplan wie ein Bakterienrasen (Biofilm) mit Amöben und anderen Einzellern. 
Was sie so unangenehm macht: Sie vermehren sich oft rasant und wenn es erstmal zu einem Massenbefall der kleinen Schleimer gekommen ist, sind diese äußerst hungrig und versuchen auch schlafende Minifische, Schnecken oder Garnelen zu verspeisen. 
Besonders Garnelen sind während der Häutung sind für Planarien leichte Beute. Dabei spielt die Größe der Garnele nur eine untergeordnete Rolle. Hat erst einmal eine Planarie angefangen mit ihrem Verdauungssekret eine Garnele anzugreifen, kommen ihre Verwandten und Freunde in Massen aus ihren dunklen Verstecken angeschleimt. Wenn eine einzelne Planarie einer Garnele auch während der Häutung nichts anhaben kann, sieht es bei hunderten ganz anders aus. Hier zieht dann die Garnele den kürzeren. Und es bleibt nichts von ihr übrig. Die Verdauungsenzyme der Planarien lösen die Garnele vollständig auf. 

Manch ein Aquarianer hat tagsüber kaum eine Planarie gesehen, sich nur gewundert, dass die Garnelen immer weniger wurden, bis plötzlich, scheinbar über Nacht, das Becken voll von den kleinen Schleimern war. Denn, solange sie nicht ausgesprochen hungrig sind, favorisieren Planarien für ihre Aktivitäten die Dunkelheit.

Dennoch sind Planarien für ein seuchenartiges Garnelensterben kaum die Ursache. Das liegt eher an schlechten Wasserwerten, einer zu hohen Keimzahl oder einer Garnelenkrankheit. Dass anscheinend gleichzeitig Unmengen Planarien auftreten ist dann die Folge des Sterbens, da die sich die Planarien in einem derartigem Schlaraffenland explosionsartig vermehren. 

Planarien sind nicht lecker! Nur wenige Tiere fressen überhaupt Planarien, denn ein unappetitlicher, übelschmeckender und auch noch leicht giftiger Schleim schützt sie. Und die Tiere (Makropoden, Fadenfische, einige Langarmgarnelen) die Planarien fressen, tun das auch nur dann, wenn sie nichts anderes finden. Garnelen sind da viel leckerer, denken sie sich da. Und scheidet deshalb in Garnelenaquarien als Planarien - Terminator aus.

Die Raubschnecke (Anentome helena) scheint auch Planarien zu verspeisen. In Aquarien mit Raubschnecken werden Planarien nur sehr selten zur Plage. Eine Garantie dafür ist die Raubschnecke aber nicht.

Im Internet gibt es eine Vielzahl weiterer Tipps, wie man sich der Schleimer entledigen kann. 

Nach meiner Überzeugung sollte man von verschreibungspflichtigen Medikamenten die Finger lassen. 
Fenbendazol und Flubendazol wirnen wohl sehr zuverlässig gegen Planarien und sind gut verträglich für Fische, Garnelen und auch i.d.R. für Schnecken - doch haben wir die Erfahrung gemacht, dass anschließend unverhältnismäßig viele Garnelen Häutungsprobleme haben und die Vermehrungsfreudigkeit lange Zeit nachlässt. 

Ob das allerdings ursächlich am Medikament selbst, oder an den gestorbenen Planarien (siehe unten) liegt, kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist Fenbendazol oder Flubendazol die schnellste und zuverlässigste Methode um Planarien los zu werden. Flubenol und Panacur, die diese Wirkstoffe enthalten sind verschreibungspflichtige Anthelmintikas (Anti Wurmmittel).

Es hat gute Gründe, warum Medikamente verschreibungspflichtig sind. Und darüber sollten auch wir Aquarianer uns nicht hinwegsetzen!

Da Planarien Eierleger sind und die Eier äußerst widerstandsfähig sind, ist es relativ schwierig, ein Aquarium komplett Planarien frei zu bekommen. Auf jeden Fall sollte eine Behandlung nach 15 bis 25 Tagen wiederholt werden, um aus Eiern geschlüpfte Planarien zu erwischen, bevor sie ihrerseits wieder Eier legen.

In unbesetzten (keine Fische, keine Schnecken, keine Garnelen) Aquarien lassen sich Planarien recht gut mit einer hohen CO2 Konzentration liquidieren. 
Diese Methode ist auch für Pflanzen i.d.R. noch verträglich.

Um Dekoration und Gerätschaften von Planarien zu befreien, kann mann heisses Wasser (ca. 50°C), Zitronensäure oder Salzsäure verwenden. Bei pH Werten unter 4 lösen sich Planarien auf und auch die Eier vertragen das i.d.R. nicht. Eine andere Möglichkeit ist feuchte Dekoration und Gerätschaften großzügig mit Kochsalz zu bestreuen und 24 Stunden einwirken zu lassen. Danach gut abspülen.


Komplett scheiden Mittel auf Kupferbasis oder Elektrolyse ("Batteriemethode") aus.



Die Natur Kräuter Methode 
Sehr gut bewährt hat sich Betelnuss zur Planarienkontrolle. Ein Pulverextrakt ist schon seit längerem auf dem Markt. Wir von Aqua-Liquids Natur Kräuter arbeiten nicht mit Trockenextrakten. Aqua-Liquids Natur Kräuter Betel ist 100% natürliches Betelnusspulver in kleinen Teebeuteln. Ein Beutel jeweils für 20 Liter. Der Beutel wird für 4 Tage im Aquarium gelassen. Im Gegensatz zum Extrakt tritt die Wirkung langsamer ein und ist (zumindest bei allen bis jetzt getesteten Aquarien) Schnecken verträglich. Ich persönlich vermute, dass eine Schädigung von Schnecken vor allem dann eintritt, wenn sie den Wirkstoff fressen, weniger, wenn er im Wasser gelöst ist. Aber, das ist nur eine Vermutung.


Ich möchte dringend davon abraten bei einen Massenbefall die Planarien nur mit Aqua-Liquids Natur Kräuter Betel, oder einem Medikament wie Flubenol in den Griff kriegen zu wollen. Denn: Sterben viele Planarien innerhalb kurzer Zeit, belasten sie das Wasser sehr stark. Dabei ist eine eventuell entstehende Nitritvergiftung das kleinere Problem. Denn von den toten Planarien löst sich giftiger Schleim und gelangt ins Wasser. Vermutlich sind auch im inneren der Tiere Giftstoffe, die dann ins Wasser gelangen! 
Berichte über starke Verluste bei Garnelen und / oder Fischen z.B. nach einen Kur mit Flubenol gehen nach meiner Überzeugung auf das Konto der planarieneigenen Giftstoffe und nicht auf das Konto von Flubenol.
Sollte Ihnen etwas derartiges passieren hilft ein Wasserwechsel von 30% und sofortige Filterung über Kohle. 

Wie also vorgehen?
Bei einem Planarien Massenbefall sollte man immer in 2 Schritten vorgehen.

Schritt eins: 

  • Mit der Aqua-Liquids Planarienfalle holen Sie innerhalb kurzer Zeit und mit wenig Aufwand die Hauptmenge Planarien aus Ihrem Aquarium.

Für die restlichen Planarien, folgt Schritt 2

  • Mit Aqua-Liquids Natur Kräuter Betel geben Sie den verbliebenen Planarien den Rest. Da Planarien Eierleger sind, sollte die Behandlung nach ca. 8-10 Tagen wiederholt werden. Nach jeder Behandlung mit Aqua-Liquids Natur Kräuter Betel bitte den Boden absaugen und 20% Wasser wechseln, um eventuelle Giftstoffe zu entfernen. Hinweis: Bei extrem weichem Wasser (KH < 2° dKH und GH < 4° dGH) bitte die Dosierung halbieren (Ein Beutelchen auf 40 Liter). Bei sehr weichem Wasser (KH < 4° dKH und GH < 6° dGH) bitte mit 75% Dosierung arbeiten (ein Beutelchen pro 30 Liter)

Wichtig ist, dass diese Maßnahmen immer mit einem gut eingefahrenem Filter vorgenommen werden. Es sollte also mind. 2 Wochen vor, während und eine Woche nach der Behandlung keine Filterreinigung vorgenommen werden.

Mit diesem Plan werden Sie Ihre Planarien sicher und ohne Risiken los.

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